Glukokortikoide (ugs. Cortison)
sind Steroidhormone, die in der Nebnnierenrinde gebildet werden und katabol wirken. Enstetht aus Cholesterin, welches über mehrere Schritte zu Cortisol umgebaut wird. Die Synthese folgt der zirkadianen Rhythmik. Minimum während des Schlafens und Maximum in den Morgenstunden. Es wirkt indem es intrazellulär an Glukokortikoid-Rezeptoren ansetzt.
Einteilung:
- natürliche Glukokortikoide
- Cortison
- Cortisol (Hydrocortison)
- synthetische Glukokortikoide
- halogenierte (Substanzen, die durch Einbau eines Halogens in ihr Molekülgerüst modifiziert werden) Glukokortikoide
- Betamethason
- Dexamethason
- Mometason
- nicht-helogenierte Glukokortikoide
- Budesonid
- Prednison
- Prednisolon
- halogenierte (Substanzen, die durch Einbau eines Halogens in ihr Molekülgerüst modifiziert werden) Glukokortikoide
Wirkung:
- metabolisch:
- steigert den Blutzuckerspiegel durch:
- Glucoseproduktion in der Leber (Gluconeogenese)
- Fettmobilisierung aus Adipozyten (Lipolyse)
- Glucagon-Sekretion
- Proteolyse im Muskelgewebe
- Katecholaminsynthese
- Hemmung der zellulären Glucoseaufnahme
- Hemmung der Insulinsekretion
- steigert den Blutzuckerspiegel durch:
- antiphlogistisch:
- durchquert die Zellmembran und bindet an intrazellulären Glukokortikoid-Rezeptoren; dies beeinflusst den Zellkern bei der Synthese von Proteinen, die den Entzündungsprozess unterhalten
- zudem immunsuppressive WIrkung durch Hemmung von NF-KB
- mineralkortikoide WIrkung mit Einfluss auf den Elektrolythaushalt; bei natürlichen Glukokortikoiden mehr als bei synthetischen
- Retention von Na
- Sekretion von K + Ca
- senkt durch negative RÜckkopplung die ACTH-Sekretion des Hypophysenvorderlappens
Nebenwirkug:
- der Akuttherapie:
- Hyperglykämie
- Hypertonie
- Stimmungsveränderung, Psychose
- Leukozytose (relativ führendem Neutrophilenanteil)
- der Langzeittherapie:
- Atrophie der Haut
- Wundheilungsstörungen
- Hypokalzämie
- Knochenatrophie
- Muskelatrophie
- Ulcera
- ...
Abbau:
- werden über die Leber abgebaut (CYP3A4)
- werden über die Niere ausgeschieden
Cushing-Schwelle:
- bezeichnet die Dosis an therapeutisch appliziertem Glukokortikoid, ab welcher der Patient ein iatrogenes Cushing-Syndrom entwickelt
- wenn ein Patient mit seiner Dauermedikation über der Cushing-Schwelle ist, dann sollte das Präparat perioperativ weitergegeben werden
- zusätzlich 100mg Hydrocortison perioperativ
Wirkstoffe
Betametason
- topisches Glukokortikoid
Budesonid
- hauptsächlich in der Behandlung von Krankheiten der Atemwege eingesetzt
Indikation:
- Obstruktive Lungenerkrankungen, COPD
- Asthma bronchiale
- Rhinitis allergica, allergische Sinusitis
- Pseudokrupp
- Nasenpolypen
- Entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
Wirkmechanismus:
- vor allem glatte Muskelzellen (z.B. in den Bronchien oder im Darm) besitzen viele Rezeptoren und reagieren daher sehr gut auf Glukokortikoide
- bei der Inhalation von Budesonid erreichen etwa 15-20% die Bronchien, der Rest wird überwiegend verschluckt (dieser Anteil unterliegt mit ca. 90% einem First-pass-Effekt und wird intrahepatisch inaktiviert, weshalb kaum systemische Wirkungen auftreten)
Cortisol (Hydrocortison)
- der Körper produziert täglich ca. 15-25mg Cortisol
Cortison
- inaktivierte Form des Cortisols
- also eine Prodrug, welche in der Leber zur aktiven Form umgewandelt wird
Dexamethason
Wirkung:
- zentrale Wirkung im Brechzentrum (Area postrema)
- entzündungshemmende Effekte, die peripher vagale Reize (Reize, die den N. Vagus beeinglussen) reduzieren
- Verstärkung der Wirkung anderer Antiemetika (bspw. Ondansetron)
Dosierung:
- 4mg i.v. kurz nach Einleitung der Narkose
Wirkungseintritt:
- nach 1-2h
Wirkdauer:
- bis zu 24h
Cave:
- bei Diabetes mellitus
- systemischer Infektion
- Schwangerschaft
Mometason
- topisches Glukokortikoid
Prednison
- inaktivierte Form des Prednisolon
- also eine Prodrug, welche in der Leber zur aktiven Form umgewandelt wird
- 12-36h wirksam
Prednisolon (Solu-Decortin©)
- ist ein Analogon (synthetisch hergestellter Wirkstoff, der eine ähnliche WIrkung des natürlichen Stoffes aufweist) des Cortisols
Erkrankungen
Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus)
beschreibt die klinische Ausprägung eines Hypercortisolismus.
- exogen (bspw. iatrogen) od. endogen (primärer [ACTH-unabhängiger] Hypercortisolismus od. sekundärer [ACTH-abhängiger] Hypercortisolismus mit M. Cushing als häufigste Form)
Symptome:
- stammbetonte Adipositas mit Vollmondgesicht, Osteoporose, Muskelatrophie, arterielle Hypertonie, Hautverdünnung, Striae rubrae, Wundheilungsstörungen, psychische Veränderungen
- bei der ACTH-abhängigen Form: gesteigerte Androgene und damit Menstruationsstörungen, Hirsutismus, Virilisierung
Diagnostik:
- Labor + Hormonlabor, Dexamethason-Hemmtest, CT-Schädel/Abdomen
Therapie:
- operativ bei Tumoren mit postoperativer Substitution; wenn inoperabel dann Blockade der Cortisolsynthese mit adrenostatischen Substanzen (z.B. Ketoconazol)
