Lungenembolie (od. Lungenarterienembolie "LAE")
- = Verschluss einer Lungenarterie durch Einschwemmen eines Embolus meist in Form eines Thrombus
Epidemiologie:
- Embolie nach tiefer Beinvenenthombose (= TVT)
- Fettembolie (bspw. nach Fraktur großer Röhrenknochen)
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Pathophysiologie:
- Druckbelastung des rechten Herzens mit erhöhem PAP + ZVD, akutem Cor pulmonale und ggf. Rechtsherzversagen
- Erhöhung des funktionellen Totraumvolmens (Ventilation der Alveolen, aber ohne Perfusion) mit sinkendem pO2
- Hyperventilation mit sinkendem pCO2 und daraus resultierender respiratorischen Alkalose
- Vorwärtsversagen mit Minderung des HZV und ggf. Kreislaufschock
- ggf. Freisetzung vasoaktiver Substanzen aus dem Thrombus die zu pulmonaler Vasokonstiktion und Bronchospasmus führen
Symptome:
- akutes Einsetzen
- Tachypnoe und Dyspnoe (90%) ggf. mit Lippenzyanose
- atemabhängige Thoraxschmerzen (70%)
- tiefe Beinvenenthrombose
- Hämoptysen (10%)
- Husten
- Tachykardie (50%)
- Hypotonie
- Synkope
- Halsvenenstauung (60%)
Diagnostik:
- klinischer Hinweis auf tiefe Beinvenenthrombose
- Rötung und Schwellung eines Beines
- Wells Score bei LAE:
- klinische Zeichen einer TVT
- LAE wahrscheinlicher als alles andere
- LAE/TVT in der Anamnese
- Tachykardie
- OP od. Immobilisation der letzten Monate
- Hämoptysen
- Malignom
- → ≥ 2 Punkte: LAE wahrscheinlich
- Vitalparameter: RR, HF, AF, Sättigung
- EKG: Sinustachykardie (HRST möglich), Lagetypveränderung (bswp. sagittale Herzachse), P-pulmonale, RSB, Endstreckenveränderung
- SIQIII: tiefes S in I und tiefes Q in III
- Labor: D-Dimere, Troponin und BNP (Hinweise Rechtsherzbelastung)
- arterielle BGA
- CT-Angiografie
Vorgehen:
- stabiler Patient
- hohe Wahrscheinlichkeit: Angio CT
- niedrige Wahrscheinlichkeit: D-Dimere
- instabiler Patient
- stabil genug: Angio CT
- nicht stabil genug: Echo
Therapie:
- Immobilisation
- halbsitzende Lagerung
- kontrollierte Volumengabe
- Sauerstoffgabe
- Analgesie mit 1-5mg Morphin i.v. (senkt auch den PAP)
- ggf. Katecholamintherapie mit a-Agonisten bspw. Adrenalin od. Noradrenalin (Verbesserung der koronaren Perfusion durch Erhöhung des Perfusionsdrucks) → ggf. als Perfusior
- unfraktioniertes Heparin mit 5.000 I.E. i.v. (bis 10.000 I.E.)
- Thrombolyse bei progredientem Schock od. Reanimation (bei Reanimation gibt es keine Kontraindikation für systemische Lysetherapie):
- Alteplase 10mg i.v. als Bolus, danach 90mg über 2h (= rt-PA; ist ein Fibrinolytikum)
- dann Reanimation für mind. 60-90min fortführen
Differentialdiagnosen des akuten Thoraxschmerzes:
- ACS
- LAE
- Pneumothorax
- Aortendissektion
- Ösophagusruptur
- Perikardtamponade
Symptome während einer Narkose:
- Anstieg Herzfrequenz
- Blutdruckabfall
- Abfall des exspiratorischen pCO2
- Abfall des pO2 bzw. Sauerstoffsättigung
