Lungenödem
- (kardiales) ist eine Flüssigkeitsansammlung zunächst im Interstitium der Lunge, später auch in den Alveolen, infolge einer Herzinsuffizienz (Linksherzinsuffizienz).
Ätiologie:
- kardial: akute pulmonalvenöse Stauung
- nicht-kardial: Nierenfunktionsstörung, toxisch, ...
Pathophysiologie:
- Herzinsuffizienz --> pulmonalvenöse Stauung --> erhöhter hydrostatischer Druck in den Lungenkapillaren --> Flüssigkeitsaustritt aus den Gefäßen der Lunge --> Beeinträchtigung des Gasaustausches durch Flüssigkeit
Klassifikation:
- interstitielles Lungenödem (ggf. verschärftes Atemgeräusch od. Giemen bei Bronchospastik)
- alveoläres Lungenödem (feuchte Rasselgeräusche)
Diagnostik = Nachweis von allen klinischen Kriterien + mind. 2 diagnostische Maßnahmen:
- klinische Kriterien:
- akute Atemnot (bspw. Tachypnoe)
- Auskultationsbefund
- Orthopnoe (Atemnot in liegender Position)
- respiratorische Insuffizienz (SO2 < 90%, paO2 <60, paCO2 >45, HQ <300)
- diagnostische Maßnahmen:
- Röntgen od. CT
- Lungenultraschall (> 3 B-Linien pro Schallfenster)
- Rechtsherzkatheter: pulmonaler Kapillardruck erhöht (Wedge Druck s.u.)
- Pulskonturanalyse und Thermodilution: Gesamtwasser in der Lunge erhöht (PICCO)
- TTE: Füllungsdrücke erhöht
- proBNP / BNP erhöht
- EKG zum Ausschluss eines Herzinfarktes
Therapie:
- kausale Therapie
- Sauerstoffangebot steigern
- initial per Maske
- NIV
- CPAP mit 5-10mbar
- PEEP 5-10-15mbar & druckunterstützte Beatmung (pressure support 3-5mbar)
- ggf. Sauerstoffverbrauch durch vorsichtige Sedierung reduzieren (Midazolam 2mg od. Morphin 3mg)
- Umkehr der akuten Flüssigkeitsumverteilung: Vasodilatatoren, kontinuierlich positiver Atemwegsdruck, Schleifendiuretika
- Furosemid 10-40mg i.v.
- bei Hypertension ggf. Nachlastsenkung mit Urapidil 5mg i.v. Boli (Nachlastsenkung über a1-Blockade)
- bei Hypotension ggf. Noradrenalin push dose (10ug Boli)
- zur Vorlastsenkung ggf. Nitroglycerin 0,4-0,8 mg s.l. alle 5 min wenn BD systolisch > 90mmHg (cave bei PDE 5 Hemmern, Aortenstenose und Rechtsherzversagen)
- negative Flüssigkeitsbilanz
Komplikation:
- Stauungspneumonie
Wedge-Druck
- = pulmonaler Kapillarverschlussdruck
- ist der indirekt über die Pulmonalarterie gemessene Druck im linken Vorhof des Herzens und damit Aufschluss über die Füllungsdrücke und die Volumenbelastung der linken Herzhälfte
Vorgehen:
- Katheter wird ins venösen System eingebracht
- durch den rechten Vorhof und die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer geschoben
- danach durch die Pulmonalklappe in den Truncus pulmonalis
- von dort aus in eine A. pulmonalis
- hier wird nun ein Ballon aufgeblasen
- dadurch fließt hinter dem Ballon kein Blut mehr und der Druck gleicht sich dem Kapillardruck der Lunge und dem Druck des linken Vorhofs an
Werte:
- 5-12mmHg = norm
- < 5mmHg = zu wenig Füllung (Hypovolämie)
- >12mmHg = erhöhter Druck (Linksherzinsuffizienz, Mitralklappenstenose, kardiogener Schock)
