tachykarde Herzrhythmusstörungen

sind HRST mit einer Herzfrequenz >100/min.

Einteilung: 

  • supraventrikuläre Tachykardien
    • bei <150/min selten lebensbedrohlich --> Behandlung in der Klinik
    • häufig sekundär als Folge einer anderen Erkrankung 
  • ventrikuläre Tachykardien

Diagnostik: 

  • Anamnese (bspw. plötzlicher Beginn oder Verschlechterung seit Tagen, Intoxikation, neue Medikation, Infekt, ...)
  • EKG 
  • Blutdruck
  • Sauerstoffsättigung

Therapie: 

  • Sauerstoffgabe bis Sauerstoffsättigung >94%
  • Kardioversion 

Supraventrikuläre Tachykardien

Sinustachykardie

Ursache: 

  • meist sekundär (bspw. Lungenembolie)

Therapie: 

  • nicht primär medikamentös --> Ursachenbehandlung
  • ß-Blocker: Metoprolol 1-5mg langsam i.v. (max. 15mg)

Vorhofflimmern oder Vorhofflattern 

VHF od. engl. AFib: 

  • schnelle und unkoordinierte Erregung des Vorhofs mit Verlust der effektiven Vorhofkontraktion bei unregelmäßige Ventrikelfrequenz bei intakter AV-Überleitung 
  • Ätiologie: 
    • kardiale Ursachen: KHK, Hypertonus, Vitien, Kardiomyopathie, Harzinsuffizienz 
    • nicht-kardiale Ursachen: Hyperthyreose, Lungenembolie, Alkoholabusus, hohes Alter, Sepsis, idiopathisch, Phäochromozytom
  • Einteilung: 
    • Tachyarrhythmia absoluta (>100/min)
    • normofrequente Arrhythmia absoluta (60-100/min)
    • Bradyarrhythmia absoluta (<60/min)
  • Symptome: 
    • hämodynamisch instabil (Hypotonie, Synkope, Schock, Angina pectoris)
    • hämodynamisch stabil (Palpitation, Dyspnoe, Erschöpfung, Schwindel)

Vorhofflattern od. engl. AFlut: 

  • schnelle Erregung des Vorhofs mit Verlust der effektiven Vorhofkontraktion bei regelmäßiger Ventrikelfrequenz
  • Einteilung: 
    • typisches Vorhofflattern (hierbei kreist die Erregung um den Trikuspidalklappenanulus)
    • atypisches Vorhofflattern 

Therapie: 

  • ß-Blocker: Metoprolol 1-5mg langsam i.v. (max. 15mg)
  • Amiodaron 50mg i.v. (max. 300mg) 
  • ggf. Verapamil 1mg i.v. (max. 5mg)
  • wenn kardiopulmonal instabil, dann Kardioversion (solange der Patient einen Kreislauf, also Puls hat, immer synchronisiert, dass der Schock nicht in die T-Welle fällt und Kammerflimmern auslöst)
    • biphasisch initial mit 120-150J

AV-Knoten-Reentrytachykardie

  • anfallsartige Tachykardie durch kreisende Erregung durch akzessorische Leitungsbahn im AV-Knoten 

Symptome: 

  • Herzrasen, Schwindel, ggf. Synkopen 

Diagnostik: 

  • EKG: bis auf die Schmalkomplextachykardie ist das EKG meist unauffällig; P-Welle oft nicht sichtbar 

Therapie: 

  • Vagusreiz: Valsalva-Pressversuch (nach tiefer Inspiration eine maximale Bauchpresse), Massage Karotissinus (max. 5s), Blasen in das Auslassende einer Spritze, im Sitzen nach hinten Kippen und die Beine dabei anheben
  • Adenosin 12(-18mg) schnell i.v. 
  • Amiodaron 150-300mg i.v. (verlangsamt die Überleitung im AV-Knoten)
  • Ajmalin 50mg (= 1 Ampulle) langsam i.v. (ca. 10mg pro Minute bis 50mg)
    • eher beim "Herzgesunden"
    • wenn ventrikuläre Tachykardie nicht sicher ausgeschlsosen werden kann
  • bei Versagen der medikamentösen Therapie: Kardioversion mit zunächst 100 Joule

AV-Reentrytachykardie (syn. Präexzitationssyndrom, bsp. WPW)

  • anfallsartige Tachykardie durch kreisende Erregung durch akzessorische Leitungsbahn außerhalb des AV-Knotens

akzessorische Leitungsbahnen: 

  • Kent-Bündel (90%) --> Ursache des Wolff-Parkonson-White-Syndrom
    • im normofrequenten Sinusrhythmus --> antidrome Weiterleitung mit Deltawelle
    • im Rahmen einer AVRT --> dann orthodrome Weiterleitung ohne Delawelle
  • James-Bündel --> Ursache des LGL-Syndroms
  • ...

Einteilung der AVRT: 

  • orthodrome AVRT (95%): 
    • vom Sinusknoten über den AV-Knoten in die Kammer und dann über akzessorische Leitungsbahn zurück in den Vorhof 
    • schmaler QRS-Komplex + retrograde P-Welle (= P-Welle nach QRS-Komplex)
  • antidrome AVRT (5%): 
    • vom AV-Knoten über die Vorhöfe und dann über die akzessorische Leitungsbahn in die Kammern und dann in den AV-Knoten
    • verkürzte PQ-Zeit + verbreiterter QRS-Komplex + Deltawelle 

Symptome: 

  • anfallsartig einsetzende Tachykardie, Schwindel, Synkopen

Therapie: 

  • Vagusreiz: Valsalva-Pressversuch (nach tiefer Inspiration eine maximale Bauchpresse), Massage Karotissinus (max. 5s), Blasen in das Auslassende einer Spritze, im Sitzen nach hinten Kippen und die Beine dabei anheben
  • Adenosin 12(-18)mg schnell i.v. 
  • cave mit Amiodaron --> verlangsamt die Überleitung im AV-Knoten, damit kann die akzessorische Leitungsbahn begünstigt werden

Ventrikuläre Tachykardie

= lebensbedrohliche tachykarde HRST mit Ursprung in den Herzkammern 

Kriterien: 

  • >3 Kammerkomplexe hintereinander
  • Ursprung: unterhalb des His-Bündels
  • Herzfrequenz > 100/min 
  • Q-Zacke in V6 
  • weitere Hinweis auf VT: 
    • eine initiale positive R-Zacke in aVR (Erregungsausbreitungsrichtung von der Kammer zum Vorhof)
    • AV-Dissoziation (P unabhängig von QRS)
    • positive/negative Konkordanz (sind alle QRS Komplexe entweder positiv od. negativ; keine Richtungswechsel!)

Ursache: 

  • KHK 
  • Herzinsuffizienz 
  • Herzklappenerkrankung 
  • Kardiomyopathie 
  • Elektrolytstörungen 

Pathophysiologie: 

  • gestörte Erregungsleitung --> kreisende Erregung (bspw. um Narbengewebe herum) --> Erregungsfront trifft immer auf erregbares Gewebe (damit endet die Erregungsausbreitung nicht) 
  • gestörte Erregungsbildung --> durch die Fähigkeit von Zellen zur Spontandepolarisation 

Diagnostik: 

  • schenkelblockartig veränderte (aber kein typisches LSB od. RSB Bild), regelmäßige, breite, QRS-Komplexe (meist >160ms)
  • monomorph (meist in der Postinfarktphase) od. polymorph (gehäuft bei ACS)

Therapie: 

  • Amiodaron 150-300mg i.v. (bei Herzinsuffizienz)
  • Ajmalin 50mg langsam i.v. (siehe AV-Knoten-Reentrytachykardie) 
  • Kardioversion (beim kardiogenen Schock od. Therapieversagen
  • Defibrillation (bei pulsloser ventrikulärer Tachykardie)

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