Verbrennung
Pathophysiologie:
- Hitzeeinwirkung → Nekrose der Haut → Schädigung von Kapillaren → erhöhte Permeabilität (Kapillarleck)
- Flüssigkeits- und Eiweißverlust mit Ödembildung → Mikrozirkulationstörung, HZV↓, Gewebeischämie, Lactatazidose → Volumenmangelschock
Symptome nach Einteilung in Verbrennungsgrade
- Grad 1:
- Symptome: Schmerz, Rötung, Schwellung
- Tiefe: Epidermis
- Grad 2:
- Grad 2a:
- Symptome: Schmerz, Rötung, Blasen
- Tiefe: Epidermis und obere Anteile der Dermis
- Grad 2b:
- Symptome: kaum Schmerz, Rötung, Blasen
- Tiefe: tiefe Schichten der Dermis
- Grad 2a:
- Grad 3:
- Symptome: keine Schmerzen, Nekrosen
- Tiefe: Epidermis + Dermis + Subkutis
- Grad 4:
- Symptome: Verkohlung
- Tiefe: Muskeln, Fett, Faszien, Knochen
Bestimmung des Ausmaß:
- Neuner-Regel nach Wallace
- Erwachsene:
- Kopf 9%
- Thorax vorne 9% + Thorax hinten 9%
- Abdomen vorne 9% + Abdomen hinten 9%
- Arme jeweils 9%
- Oberschenkel jeweils 9% + Unterschenkel jeweils 9%
- Babys bis 1 Jahr
- Kopf 18%
- Beine jeweils 13,5%
- Arme/Thorax/Abdomen gleich
- Kleinkinder bis 2 Jahre
- ähnlich wie Baby, Kopf 16% Beine jeweils 14,5%
- Erwachsene:
- Handflächenregel
- die Fläche der Hand einer Person (inkl. der ausgestreckten Finger) beträgt ca. 1% ihrer Körperoberfläche
Diagnostik:
- Anamnese bzgl. Unfallhergang
- Vitalparameter
- Auskultation Lunge
- Suche nach Begleitverletzungen
- Ruß um Nasenlöcher --> ggf. Intubation
Therapie:
- Eigenschutz beachten!
- Entfernung von leicht ablösbarer, verbrannter Kleidung
- steriler lockerer Verband, ggf. mit Metallbeschichtung
- Sauerstoff
- aktiv vor Unterkühlung schützen
- Volumentherapie mit ca. 1.000ml in den ersten zwei Stunden nach Trauma
- für die erste Stunde kann man sich orientieren an: 0,25ml * kgKG * verbrannte Körperoberfläche
- innerklinisch Berechnung des Flüssigkeitsbedarfs für die ersten 24h nach Parkland-Formel nach Baxter (4ml * kgKG * verbrannte Körperoberfläche)
- Schmerztherapie:
- < 15%: Monotherapie mit Opioiden
- > 15%: Analgosedierung mit Ketamin und Midazolam
- Intubation bei üblichen Indikationen, zusätzlich cave bei thorakalen zirkulären Verletzungen und bei Brandverletzungen im Gesicht
- Transport ins nächste Traumazentrum
- ggf. RTH
Indikation für Behandlung in einem Zentrum für Schwerbrandverletzte:
- Verbrennungen Grad 2 von 10 % und mehr Körperoberfläche
- Verbrennungen Grad 3
- Verbrennungen an Händen, Gesicht oder Genitalien
- Verbrennungen durch Elektrizität inklusive Blitzschlag
- Verätzungen durch Chemikalien
- Inhalationstrauma (ggf. mit Verbrennung)
- Verbrennungspatienten mit Begleiterkrankungen oder Verletzungen, die die Behandlung erschweren
- Verbrennungspatienten die eine spezielle psychologische, psychiatrische oder physische Betreuung benötigen
Kontakt der Zentralen Anlaufstelle für die Vermittlung von Krankenhausbetten und Meldung von freien Betten für Schwerbrandverletzte (Feuerwehr Hamburg):
- 040/42851-4950
- Patienten sollte innerhalb der ersten 24 Stunden in ein Brandzentrum verlegt werden
Kompliaktionen:
- Verbrennungskrankheit (Verbrennungen großer Teile des Körpers --> systemische Entzündungsreaktion, SIRS, Organversagen
